Bericht von der Kundgebung am 05.02.2026 vor dem Rathaus
Die Mobilisierung hat gegen alle Widerstände erreicht:
Die Rücknahme der Schließung ist auf der Tagesordnung des Rats!
Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich am Donnerstag, den 5. Februar 2026, um 15 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Eingang des Historischen Rathauses auf dem Kölner Alter Markt aus Anlass der an diesem Tag stattfindenden Ratssitzung. Sie haben auf den Antrag zur Aufhebung des Schließungsbeschlusses gegen die beiden Krankenhäuser Holweide und Amsterdamer Straße aufmerksam gemacht, der am 19. März im Rat zur Abstimmung steht.
Diejenigen, die an diesem Tag zum Rat gekommen sind, gehörten zu denen, die in den letzten Monaten und Jahren den Kampf um den Erhalt des Krankenhauses Holweide und der Kinderklinik Amsterdamer Straße geführt haben. Sie waren es, die die Unterschriften auf der Straße, in der Nachbarschaft, vor den Krankenhäuser gesammelt haben. Sie haben die Demonstrationen und Kundgebungen organisiert. Sie waren und sind die treibende Kraft dafür, dass auch der neue Rat der Stadt Köln, der am 14.09. gewählte Rat, nicht aus seiner Verantwortung entlassen wird und dass die Forderungen der Bevölkerung weiter präsent sind und vertreten werden. „Manchmal fragen uns die Kolleginnen und Kollegen: ‚Ihr macht das doch schon ewig. … Warum macht ihr denn weiter und warum kommen die Leute immer noch? Warum macht ihr alle sechs, acht Wochen Treffen? Warum kommen immer wieder auch neue Leute,“ berichtete zur Einleitung Eva Gürster. „Und dann sage ich meistens: Die Leute kommen und wir machen ständig Aktionen, weil wir im Recht sind. Nur darum. Wir sind einfach im Recht.“
„Wir sind einfach im Recht!“
Für die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern oder auch für die Anwohner und Bürger in den Stadtteilen wird jeden Tag klar, wie dringend die Krankenhäuser sind. Das ist keine Frage! Yvonne, eine Feuerwehrfrau von der Freiwilligen Feuerwehr in Dellbrück, ergriff auf der Kundgebung das Wort und schilderte eine Situation bei einem schweren Unfall, die sie immer wieder erlebt: „Der Unfall war vielleicht, mit dem Auto, mit dem RTW, zwei Minuten vom Krankenhaus Hohlweide entfernt. Aber nein, die Sanitäter mussten den großen Umweg machen, um nach Merheim zu kommen (…), weil in Holweide die Unfallchirurgie nicht nicht mehr da ist“. Aus ihrer Sicht braucht man mehr Notfallambulanzen für die Garantie der Versorgungssicherheit und nicht weniger wie jetzt mit der Schließung einer solchen Ambulanz in Holweide. Andrea, selbst Krankenschwester auf der Geburtsstation in Holweide, sagte, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen stolz sind auf die vielen Kinder, die in Holweide zur Welt gekommen sind. Mit dem Verweis darauf, dass die Schließung von Holweide aber auch im Rahmen der Konkurrenz der Krankenhäuser untereinander steht, fügte sie hinzu: „Jedes Krankenhaus soll gleichwertig die Patienten versorgen, anstatt, dass die Krankenhäuser sich im Konkurrenzkampf gegeneinander ausschalten, bis eines geschlossen werden soll. Das ist unglaublich und unnötig. Dass wir jetzt so stolz sind, dass wir im Konkurrenzkampf nach vorne kommen, nein, das ist nicht der Stolz von der Bevölkerung und auch nicht der Stolz der Beschäftigten.“
„Wir sind nicht stolz auf den Konkurrenzkampf der Krankenhäuser“
Manfred Grzybek, Sprecher der ver.di Seniorinnen und Senioren, erinnerte daran, dass die Schließung der beiden Kölner Krankenhäuser die Politik des ehemaligen Gesundheitsministers Lauterbach ist: „Für ihn ist Köln die Blaupause für die Umsetzung seiner Reform!“ Aber nicht nur in Köln gibt es Widerstand. Knut Kornau, ver.di Kollege und Sprecher des Gesundheitsbündnisses Rhein-Sieg berichtet über den Kampf gegen die Schließung und für die Wiedereröffnung von Geburtskliniken: „Aber es gibt auch einen kleinen Erfolg.“ In der LVR-Klinik-Bonn sollten eine spezialisierte Kinderneurologie und eine Stotter-Therapie geschlossen: „Bei einer sehr spontanen Petition wurden in kürzester Zeit über 5.000 Unterschriften gesammelt und es besteht die Hoffnung, dass die beiden exzellenten und auch nur dort vorhandenen Einheiten an der LVR-Klinik in Bonn erhalten bleiben!“
Eine große Rolle spielte in den Redebeiträgen der Ausbau des verbleibenden Krankenhauses Merheim zu einer Kriegsklinik: „Dr. med. Axel Goßmann hat gesagt: Mit Köln-Wahn haben wir einen der größten Nato-Umschlagplätze vor der Tür, bei einem Nato-Krisenfall wäre dort ein militärischer Dreh- und Angelpunkt“, so Eva Gürster. „Also das heißt, die wollen Betten und Stellen abbauen, für die Kinder und für die Versorgung der Bevölkerung, aber die wollen ein Krankenhaus für den Kriegsfall und damit für die Vorbereitung des Krieges. Das ist natürlich für uns unerträglich, diese Art von Vorbereitung auf Krieg. Das ist ja erst seit einigen Monaten bekannt und wir haben an den Infoständen vor der Kinderklinik und in Holweide auch darüber gesprochen und gesehen, dass die Bevölkerung das ablehnt.“ Zu dem Kriegskrankenhaus sagte eine andere Kollegin: „Ich muss sagen, es ist jetzt auch nochmal anders, die Karten sind jetzt neu gemischt: Angesichts dieser Pläne für ein Kriegskrankenhaus in Merheim finde ich, muss man noch mehr auf die Straße gehen! Und auch der Rat der Stadt muss sich entscheiden. Nein, die Frauenklinik und die Kinderklinik, auf keinen Fall gehören die in die Nähe eines Kriegskrankenhauses. Das ist ein unglaublicher Angriff auf die Sicherheit von denen, die den Schutz am meisten brauchen.“
„Oberirdisch Bettenabbau, unterirdisch Milliardeninvestitionen in die Kriegsertüchtigung unserer Kliniken!“
Besonders hat den Teilnehmern der Kundgebung der Redebeitrag von Mona Aranea gefallen, die als Geschäftsführerin der BSW-Ratsgruppe die Unterstützung durch die Ratsmitglieder Lidija Rukavina und Guido Spinnen ankündigte: „Wir stehen hinter euch und es ist uns wirklich eine Ehre mit euch zusammen zu kämpfen für den Erhalt unserer Krankenhäuser. Danke, dass ihr hier seid. (…) Wir haben also diesen Antrag eingereicht für die Sitzung am 19. März. Und wir fordern in diesem Antrag mit euch die Aufhebung des Ratsbeschlusses vom 15. Juni 2023 zur Schließung der Kliniken. Wir fordern mit euch gemeinsam, dass Holweide und die Kinderklinik Amsterdamer Straße erhalten bleiben. Wir fordern außerdem die Sanierung der städtischen Kliniken und die Wiedereröffnung der chirurgischen Notfallambulanz im Krankenhaus Hohlweide. (…) Wir brauchen kein kriegstüchtiges Gesundheitswesen, liebe Kölnerinnen, liebe Kölner. Wir brauchen ein funktionstüchtiges Gesundheitswesen. Das brauchen wir, die Menschen in dieser Stadt. Deshalb stellen wir uns in unserem Antrag, der am 19. März im Stadtrat behandelt wurde und federführend von eurer Bürgerinitiative mitgeschrieben wurde, stellen wir uns in diesem Antrag auch gegen die Kriegsvorbereitungen und die Militarisierung im Gesundheitswesen. Wir erleben auch hier in Köln oberirdisch Bettenabbau, unterirdisch Milliardeninvestitionen in die Kriegsertüchtigung unserer Kliniken. Die Pläne der Geschäftsführung der Klinik in Köln GmbH, den Standort Köln-Mehrheim mit einer unterirdischen Intensivstation für den Kriegsfall auszustatten, diese Pläne sind eine Verhöhnung der Menschen in unserer Stadt.“ Ihr Beitrag wurde mit großem Applaus quittiert. Zaid, ein Kölner Schüler, der ein Videoclip zur Mobilisierung für die Kundgebung gemacht hat, schloss sich Mona an: „ Wir wissen, dass sich was verändern kann. In Essen zum Beispiel wurde ein Erlass gemacht, dass jeder Krankenwageneinsatz 300 Euro kostet. Das wurde jetzt mittlerweile zurückgenommen. Das heißt, wir können was verändern. Und wäre es wirklich so, dass wir nichts tun können, was würde die Regierung davon abhalten, das Krankenhaus halt jetzt schon abzureißen? Der einzige Grund, warum die den Abriss auf 2031 verlegt haben, ist weil wir, weil solche Leute wie wir, uns für das Krankenhaus einsetzen. Sie fürchten uns. Sie fürchten Leute wie wir, die sich für politische Zwecke einsetzen.
Am 19. März wird über den Antrag des BSW für die Aufhebung des Schließungbeschlusses abgestimmt
In den nächsten Wochen wird der Antrag an den Rat der Stadt Köln zur Aufhebung des Schließungsbeschlusses breit bekannt gemacht werden. Am 19.03 findet die nächste Kundgebung vor dem Rat statt. Dazu sagte Henning Frey zum Abschluss der Kundgebung: „Ich weiß nicht, ob alle den Namen Zoran Mamdani schon mal gehört haben. Das ist ein 34-jähriger Kandidat, der jetzt zum Oberbürgermeister von New York gewählt wurde. New York ist nicht irgendeine Stadt. New York ist die Stadt, wo die Finanzwirtschaft und das große Kapital sich konzentrieren, wo die Börse steht, wo sich das Geld und die Macht konzentrieren und die Stadt beherrschen. Für viele war das ein Signal. Sie haben hinterher gesagt: Wenn das in New York möglich ist, dass sich ein solcher Kandidat durchsetzt, der die Interessen der breiten Mehrheit vertritt, dann ist es überall möglich. Dann ist es - etwas allgemeiner gesprochen - überall möglich die Interessen der breiten Mehrheit durchzusetzen.“
am 10.03.2026 um 19 Uhr
in der Schützenhalle, Maria-Himmelfahrt-Straße 10
